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Sich als Vorstand zurücknehmen und den Führungskräften Freiräume bieten!

Erkenntnisse aus 21 Jahren Vorstandstätigkeit von Erich Greil, Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau


Wenn Sie auf Ihr berufliches Leben blicken: was sind im Rückspiegel die wichtigsten Erkenntnisse und Erfahrungen?

Erich Greil: Ich durfte 21 glückliche Jahre als Vorstand einer Sparkasse erleben. Es waren in erster Linie die Menschen und die unzähligen Begegnungen, die maßgebend dafür waren, dass ich auf ein erfülltes Berufsleben zurückblicken kann.

Natürlich ist man als Vorstand dafür verantwortlich, dass die Sparkasse gut geführt, wirtschaftlich solide und zukunftsfähig aufgestellt ist. In einer regional tätigen Bank können diese Ziele nach meiner Überzeugung in Kombination mit einem wertschätzenden Umgang mit den Mitarbeitenden sowie zum Wohl und Vorteil der Kundinnen und Kunden erreicht werden. Dies ist kein Widerspruch, ganz im Gegenteil.


Mit der Erfahrung von heute: was würden Sie in Ihrer Arbeit als Vorstand rückblickend anders machen oder worauf würden Sie verstärkt achten?

Erich Greil: Man muss Entscheidungen, die man in der Vergangenheit getroffen hat, immer im Kontext zu den seinerzeit geltenden Rahmenbedingungen sehen. Anders ausgedrückt: „Hinterher ist man häufig schlauer“. Damit sind nicht nur die exogenen Rahmenbedingungen gemeint. Auch persönlich bewegt man sich auf einer Lernkurve. Als ich mit Anfang 40 Vorstand wurde, wollte ich meine Kompetenzen unter Beweis stellen und habe mich häufig in operative Themen eingemischt. Später wurde mir bewusst, dass ich viel mehr meine Führungskräfte befähigen muss, dass sie sich flexibel den sich rasch verändernden Umweltbedingungen anpassen können. Das geht nur, wenn man sich selbst zurücknimmt und den Führungskräften die notwendigen Freiräume bietet.


Sie mussten vor einiger Zeit aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten und vorübergehend die Verantwortung stärker in die Hände ihrer Führungskräfte legen. Was hat Sie diese Zeit gelehrt?

Erich Greil: Ich war rund acht Monate krankheitsbedingt abwesend. Die formale Vertretung war geregelt. Es waren besonders die informellen Kommunikationswege, die sich verändert haben. Wenn man im Betrieb permanent anwesend ist, können sich Mitarbeitende und Führungskräfte schnell mal ein Feedback zu einem Thema oder Vorhaben einholen. Dann haben sie eine gewisse Sicherheit, dass sie „auf dem richtigen Weg“ sind.

Diese Möglichkeit ist plötzlich weggefallen. Dadurch mussten die Führungskräfte noch mehr selbstständig und ohne die laufende „Rückendeckung“ durch das zuständige Vorstandsmitglied entscheiden. Ich war nach meiner Rückkehr ins Arbeitsleben stolz darauf, wie sich meine Führungskräfte entwickelt haben. Zudem wurde mir schnell bewusst, dass ich keinesfalls „das Rad zurückdrehen“ darf.


Gibt es etwas, was Sie einem heutigen, jüngeren Vorstand einer Sparkasse mitgeben möchten, der noch recht neu in einem solchen Amt ist?

Erich Greil: In der VUCA-Welt wird es zunehmend darauf ankommen, dass Mitarbeitende und besonders die Führungskräfte befähigt werden, sich rasch und flexibel den Umfeldbedingungen anzupassen. Wie erfolgreich dies gelingt, ist weniger eine Frage der formalen Strukturen oder Prozesse. Vielmehr sind Unternehmenskultur und Mindset maßgebend, welche Spielräume sich ergeben.

In einer hierarchischen Organisation, wie es Kreditinstitute oftmals sind, hat man geringere Spielräume, als in einem Startup-Unternehmen. Nach meiner Überzeugung wäre es auch zum Scheitern verurteilt, wenn ein neuer Vorstand versuchen sollte, die Bank „auf links zu drehen“. Die Kunst wird sein, die regionale Bank kulturverträglich in kleinen Schritten zu entwickeln und in diesem Entwicklungsprozess nicht zu ungeduldig zu werden.


Lieber Herr Greil,

danke für das kurze Interview, das sich anlässlich Ihres „Abschiedstelefonats“ spontan ergeben hat. Ich wünsche Ihnen ganz viel Gesundheit und viel Freude im neuen Lebensabschnitt „Unruhestand“.


Liebe Grüße

Ulrich Thaidigsmann


 

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